Sparstrategien fuer Berufseinsteiger: 50/30/20, ETF & mehr
Der erste Job, das erste richtige Gehalt -- und ploetzlich stellt sich die Frage: Wie gehe ich verantwortungsvoll mit meinem Geld um? Laut einer Erhebung der Bundesbank aus dem Jahr 2023 sparen rund 40 Prozent der jungen Erwachsenen in Deutschland unregelmaessig oder gar nicht. Dabei ist gerade der Berufseinstieg der beste Zeitpunkt, um finanzielle Gewohnheiten zu etablieren, die ein Leben lang tragen.
Dieser Artikel stellt drei bewaehrte Strategien vor, die sich besonders fuer Berufseinsteiger eignen: die 50/30/20-Regel als Budgetrahmen, den Notgroschen als Sicherheitsnetz und den ETF-Sparplan als langfristigen Vermoegensaufbau.
Die 50/30/20-Regel: Ein einfacher Budgetrahmen
Die 50/30/20-Regel wurde von der US-Senatorin Elizabeth Warren popularisiert und hat sich weltweit als pragmatischer Budgetansatz durchgesetzt. Die Verbraucherzentrale empfiehlt sie als Orientierungshilfe fuer alle, die zum ersten Mal ein eigenes Budget aufstellen.
Das Prinzip ist denkbar einfach: Man teilt sein Nettoeinkommen in drei Kategorien auf.
### 50 Prozent fuer Grundbeduerfnisse
Die Haelfte des Nettoeinkommens fliesst in Fixkosten und lebensnotwendige Ausgaben. Dazu gehoeren Miete und Nebenkosten, Lebensmittel, Versicherungen (Krankenversicherung, Haftpflicht), Mobilfunkvertrag, Monatskarte fuer den oeffentlichen Nahverkehr und aehnliche unvermeidbare Posten.
Fuer Berufseinsteiger in Grossstaedten wie Muenchen oder Frankfurt kann allein die Miete bereits 30 bis 40 Prozent des Nettoeinkommens ausmachen. In solchen Faellen empfiehlt die Verbraucherzentrale, die Kategorien flexibel anzupassen -- etwa auf 60/20/20 -- solange die Sparquote nicht unter 20 Prozent faellt.
### 30 Prozent fuer persoenliche Wuensche
Dieser Anteil deckt alles ab, was das Leben angenehm macht, aber nicht ueberlebensnotwendig ist: Restaurantbesuche, Streaming-Abonnements, Hobbys, Kleidung ueber das Notwendige hinaus, Reisen und Freizeitaktivitaeten. Hier liegt der groesste Gestaltungsspielraum und zugleich die groesste Versuchung.
Ein praktischer Tipp: Richte ein separates Girokonto oder Unterkonto fuer diese Kategorie ein. Wenn das Geld dort aufgebraucht ist, sind die persoenlichen Ausgaben fuer den Monat ausgeschoepft. Diese Methode schuetzt vor schleichender Budgetueberschreitung.
### 20 Prozent fuer Sparen und Investieren
Der letzte Fuenftel gehoert der Zukunft. Dieses Geld wird am besten per Dauerauftrag direkt nach Gehaltseingang abgebucht -- die Verbraucherzentrale nennt das den "Pay yourself first"-Ansatz. Wer auf das Geld nie zugreift, vermisst es auch nicht.
Bei einem Einstiegsgehalt von netto 2.000 Euro bedeuten 20 Prozent immerhin 400 Euro monatlich. Ueber zehn Jahre summiert sich das auf 48.000 Euro -- und mit Rendite auf deutlich mehr.
Der Notgroschen: Dein finanzielles Sicherheitsnetz
Bevor man ueberhaupt ans Investieren denkt, steht der Aufbau einer Liquiditaetsreserve an erster Stelle. Die Bundesbank betont in ihren Publikationen zur Finanzstabilitaet regelmaessig die Bedeutung privater Ruecklagen fuer die wirtschaftliche Widerstandsfaehigkeit der Haushalte.
### Wie hoch sollte der Notgroschen sein?
Die gaengige Empfehlung lautet: drei bis sechs Netto-Monatsgehaeelter. Die Verbraucherzentrale praezisiert, dass Berufseinsteiger mit befristeten Vertraegen eher am oberen Ende ansetzen sollten, waehrend Beamte auf Probe mit drei Monatsgehaeltern auskommen koennen.
Bei einem Nettoeinkommen von 2.000 Euro bedeutet das eine Zielgroesse von 6.000 bis 12.000 Euro. Das klingt nach viel, ist aber in ein bis zwei Jahren erreichbar, wenn man konsequent spart.
### Wo parkt man den Notgroschen?
Der Notgroschen gehoert auf ein Tagesgeldkonto. Die Gruende sind eindeutig: sofortige Verfuegbarkeit ohne Kuendigungsfristen, Einlagensicherung bis 100.000 Euro (gesetzlich in der EU), keine Kursschwankungen wie bei Aktien oder Anleihen und eine -- wenn auch bescheidene -- Verzinsung.
Die Bundesbank weist darauf hin, dass Tagesgeld zwar selten die Inflation vollstaendig ausgleicht, aber genau dafuer ist der Notgroschen nicht gedacht. Er soll Sicherheit bieten, nicht Rendite erwirtschaften.
### Typische Szenarien fuer den Notgroschen
Der Notgroschen schuetzt vor unerwarteten Ausgaben wie einer defekten Waschmaschine (300 bis 800 Euro), einer Autoreparatur (500 bis 2.000 Euro), einer ueberbrueckungsphase bei Jobverlust oder einer Nachzahlung bei den Nebenkosten. Ohne Notgroschen fuehren solche Ereignisse haeufig zu teuren Dispokrediten -- die Bundesbank berichtet von durchschnittlichen Dispozinsen von ueber 10 Prozent.
ETF-Sparplaene: Langfristiger Vermoegensaufbau
Sobald der Notgroschen steht, kann das verbleibende Sparbudget in den langfristigen Vermoegensaufbau fliessen. Exchange Traded Funds (ETFs) haben sich in den vergangenen Jahren als bevorzugtes Instrument fuer Privatanleger etabliert.
### Was sind ETFs?
ETFs sind boersengehandelte Indexfonds, die einen bestimmten Marktindex nachbilden. Ein ETF auf den MSCI World bildet beispielsweise die Wertentwicklung von rund 1.500 Unternehmen aus 23 Industrielaendern ab. Die Bundesbank beschreibt ETFs in ihren Finanzstabilitaetsberichten als kostenguenstige und transparente Anlageinstrumente.
### Warum ETFs fuer Berufseinsteiger ideal sind
Es gibt mehrere Gruende, die fuer ETFs sprechen. Die Einstiegshuerde ist niedrig: Viele Broker bieten Sparplaene ab 25 Euro monatlich an. Die Kosten sind gering, denn die jaehrlichen Verwaltungsgebuehren (TER) liegen typischerweise bei 0,1 bis 0,5 Prozent -- ein Bruchteil dessen, was aktiv verwaltete Fonds kosten. ETFs bieten breite Diversifikation, da ein einziger ETF Hunderte oder Tausende Unternehmen abdecken kann. Ausserdem sind sie flexibel, da man jederzeit kaufen oder verkaufen kann und Sparraten anpassbar sind.
### Ein konkretes Beispiel
Angenommen, ein Berufseinsteiger investiert ab dem 25. Lebensjahr monatlich 200 Euro in einen MSCI-World-ETF. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von 7 Prozent pro Jahr (der historische Durchschnitt des MSCI World ueber 30 Jahre liegt bei etwa 7 bis 8 Prozent nominal) ergibt sich folgendes Bild: Nach 10 Jahren hat man bei 24.000 Euro Einzahlung einen Depotwert von rund 34.500 Euro. Nach 20 Jahren stehen 48.000 Euro Einzahlung einem Depotwert von etwa 103.000 Euro gegenueber. Nach 30 Jahren erreicht man bei 72.000 Euro Einzahlung einen Depotwert von rund 243.000 Euro. Nach 40 Jahren -- also mit 65 -- ergibt sich bei 96.000 Euro Einzahlung ein Depotwert von ungefaehr 525.000 Euro.
Der Zinseszinseffekt ist der staerkste Verbuendete junger Sparer. Je frueher man beginnt, desto maechtiger wirkt er.
### Wichtige Hinweise
Die Verbraucherzentrale raet dazu, bei ETFs immer einen langen Anlagehorizont von mindestens 10 bis 15 Jahren einzuplanen. Kurzfristige Kursverluste von 30 bis 50 Prozent sind historisch normal und kein Grund zur Panik. Wer regelmaessig investiert, kauft bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile -- der sogenannte Cost-Average-Effekt.
Ausserdem sollte man auf die Replikationsmethode achten (physisch replizierend ist in der Regel transparenter), die Steuer beruecksichtigen (seit 2018 gilt die Vorabpauschale) und ausschliesslich Geld investieren, das man in den naechsten Jahren nicht benoetigt.
Praktischer Fahrplan fuer Berufseinsteiger
Der erste Schritt besteht darin, alle Einnahmen und Ausgaben einen Monat lang zu erfassen, um einen ueberblick zu gewinnen. Im zweiten Schritt wendet man die 50/30/20-Regel auf das eigene Nettoeinkommen an und richtet separate Konten fuer jede Kategorie ein. Drittens baut man den Notgroschen auf, indem die gesamten 20 Prozent zunaechst auf das Tagesgeldkonto fliessen. Viertens startet man den ETF-Sparplan, sobald der Notgroschen steht, und leitet einen Teil der monatlichen Sparrate in einen breit gestreuten ETF-Sparplan um. Fuenftens sollte man regelmaessig, etwa alle sechs Monate, die eigene Finanzlage pruefen und die Sparraten bei Gehaltserhoehungen anpassen.
Haeufige Fehler vermeiden
Ein verbreiteter Fehler ist das Aufschieben: Viele Berufseinsteiger sagen sich, sie fangen "naechsten Monat" an zu sparen. Die Verbraucherzentrale warnt vor diesem Muster, denn jeder Monat ohne Sparplan kostet Zinseszins. Ein weiterer Fehler ist uebertriebener Perfektionismus. Es ist nicht noetig, den "perfekten" ETF zu finden. Ein breit gestreuter Welt-ETF reicht fuer den Anfang voellig aus. Schliesslich sollte man es vermeiden, den Notgroschen fuer Konsumwuensche anzutasten. Er ist ausschliesslich fuer echte Notfaelle reserviert.
Fazit
Finanzielle Bildung und fruehes Handeln sind die wichtigsten Verbuendeten von Berufseinsteigern. Die 50/30/20-Regel bietet einen klaren Rahmen, der Notgroschen schafft Sicherheit und ein ETF-Sparplan ermoeglicht langfristigen Vermoegensaufbau mit minimalem Aufwand. Wer mit 25 beginnt und konsequent bleibt, kann mit 65 auf ein beachtliches Vermoegen zurueckblicken -- ohne jemals ein Finanzgenie gewesen zu sein.
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*Quellen: Deutsche Bundesbank (Monatsbericht, Finanzstabilitaetsbericht 2023), Verbraucherzentrale Bundesverband (Ratgeber Geldanlage), Statistisches Bundesamt (Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2023). Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.*
Quellen
- BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht)
- Deutsche Bundesbank
- Europäische Zentralbank (EZB)
- ESMA (European Securities and Markets Authority)
- Destatis (Statistisches Bundesamt)